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Oct
16
2009

Reingehört: Rammstein – Liebe ist für alle da

Es ist schon eine Weile her, dass man zuletzt etwas von den Berlinern gehört hat. Kein Wunder, man verbrachte die Zeit mit bemitleidenswert schlechten Seitenprojekten, zweifelhaften Abmahnungen und sonstigen Urlaubsaktivitäten.

Ein Blick zurück und einer nach vorne

Trotzdem ist es nun soweit, das sechste Studioalbum ist erschienen und stellt die Nachfolge von Rosenrot dar, welches 2005 erschien. Letzteres vergraulte vermutlich eine ganze Reihe von Rammstein Fans der ersten Stunde, sodass “Liebe ist für alle da” nunmehr antritt eine neue Richtung vorzugeben. Wie immer geht es auch diesmal um die Gründe und Abgründe der Liebe. Das Thema ist diesmal sogar im Albumtitel bedeutungsschwer und in typischer Mehrdeutigkeit einzementiert. CD und Booklet greifen ebenso dieses Thema auf, indem es die Band in barocken Scheingemälden inmitten von üppigen Frauen abbildet. Überhaupt zieht sich das Thema der mondänen, barocken Liebelei durch das gesamte Schaffen auf dem Album wie ein roter Faden. In farbenfrohen, bunten Bildern beschreibt Till einmal mehr facettenreich allerlei liebliche Geschichten, anders als in älteren Texten geht er diesmal aber weniger verschleiert und versteckt zugange, sondern man spricht zuweilen relativ ungeschminkt und direkt aus, was es zu sagen gibt.

Auf “Reise, Reise” und Rosenrot, die ja in die selbe Schaffensperiode gehören und gewissermaßen ein Doppelalbum darstellen, zeigten sich Till und Freunde von einer unbekannt emotionalen und sanften Seite und untermauerten dies mit orchestralen Songstrukturen, die weitab der Gitarrenwände der ersten beiden Alben sind. Am Ende kam damals kein wirklich überzeugendes Machwerk heraus: Zu überladen, zu wenig Aussage und zu wenig Kraft machten sowohl aus Rosenrot, als auch aus Reise, Reise eher durchschnittliche Alben, Rammstein machte einen Schritt in die falsche Richtung.

“Liebe ist für alle da” soll nun also alles besser machen; die CD wird mit epischen Klängen zu “Rammlied” eröffnet, der Song kann getrost als Hymne auf sich selbst bezeichnet werden. Inhaltlich gibt es zwar nichts, was mit dem Song “Rammstein” von 1996 nicht schon gesagt worden wäre, man hat diese Botschaft aber in ein modernes Kleid gepackt. Die metallernen Riffs im Refrain wechseln sich mit melodiösen elektronisch angehauchten Strophen ab und erzeugen einen bombastischen Industrial Song, wie er auch ein Spätwerk von Ministry hätte sein können – ohne den charakteristischen Gesang von Till natürlich. Auch wenn der Text wie gesagt wenig tiefgründig ist, wird der Song auf der bevorstehenden ausverkauften Tour (womöglich als Opener) bestimmt zu überzeugen wissen.

Es folgt “Ich tu dir weh”, wo sich erneut ein harter getriebener Sound abzeichnet, der sich durch die Songs des Albums zieht. Ein Schritt zurück in ältere Tage, ohne sich jedoch selbst zu kopieren. 2009 klingen Rammstein so, wie sie vor 10 Jahren schon klangen. Ein Rückbesinnung, die ich ausdrücklich begrüßen möchte. Ähnlich wie Metallica mit ihrem neuestem Erguss versuchen die Ostkinder sich allerdings weiterhin weiterzuentwickeln. Die monotonen treibenden Riffs sind nicht zurück, sodass auch in diesen Tagen die musikalischen Nuancen und orchestrale Streicheruntermalung nicht zu kurz kommt. So wirkt auch das Schlagzeugspiel voller und rückt einmal mehr in den Vordergrund. Inhaltlich muss man eigentlich nicht erklären worum es geht, einmal mehr folgt eine geführte Tour von Reiseleiter Till an die äußersten Ränder des amourösen Beisammenseins. Unverblümt und ohne Metaphern erzählt man von diversen BDSM-Praktiken.

“Waidmanns Heil” beginnt dafür mit Waldhörnern und endet bei einer Ode an die Jagd. Wonach genau Rammstein jagt bleibt aber offen, präsentiert sich dafür aber in gewohntem Ton:

Auf dem Lande, auf dem Meer
Lauert das Verderben
Die Kreatur muss sterben!

Alles in allem ein verzichtbarer Song auf dem Album. Dafür wird es mit “Haifisch” wieder lyrisch. Nicht nur der Refrain erinnert an Brechts “Die Moritat von Mackie Messer” aus der Dreigroschenoper, auch inhaltlich orientiert sich Till stark daran. Musikalisch klingt der Song hingegen so, als ob man bei Depeche Mode auf Ska gecovert hätte. Das ist keineswegs ein Lob. Zuviel von allem, sodass am Ende nur noch ein Stilmix übrig bleibt, der nach nichts klingt.

Besser klingt da schon “B*********”, wo Till den Hörer auffordert, jeder möge sich doch “Büchstabü” holen. Wer nicht weiß, was das sein mag, dem sei hiermit geholfen: Richard bestätigt in einem Interview, das heiße, was immer man möchte, dass es heißen solle. Dem umschließenden Text zufolge muss das aber wohl jedenfalls etwas unzüchtiges sein, aber was weiß ich schon von solchen unredlichen Dingen. Der große Renner ist aber auch dieser Song nicht, dabei ist das Album schon fast zu Ende.

“Frühling in Paris” ist ein ruhiger, melodischer Song. Nach Spanisch auf dem letzten Album (ja, das furchtbare “Te quiero puta”) und Russisch (“Moskau”) versucht man sich nun also auch an Französisch. Kein Wunder, gilt Paris doch als ach so romantische Stadt voller Liebe und derlei Schwachsinn. Unnötig zu erwähnen, dass Till zwar dieses verklärte Bild aufgreift, lyrisch aber die Abgründe dessen erforscht. So wird aus einem vermeintlichen Liebeslied plötzliche eine profane Hommage an die Defloration mittels käuflicher Liebe. Oder so. Das weiß man schließlich bei Rammstein nie so genau. Vom Stil her erinnert “Frühling in Paris” allerdings an die Tage von Reise, Reise, womit Rammstein nach eigener Aussage eigentlich abschließen wollten.

Es folgt das Thema, das prädestiniert für Rammstein ist: “Wiener Blut”. Darin wird der Inzestfall des Kollegen Josef F. im österreichischen Amstetten thematisiert. Nach “Mein Teil” eigentlich nur die logische Konsequenz. Zynisch beschreibt Till die Ereignisse jener Tage unterlegt von Streicherklängen, Gitarrenwänden und schnellen Basstrommeln; mit Texten wie

Und bist du manchmal auch allein
Ich pflanze dir ein Schwesterlein

wurde Rammstein groß. Zu Recht. Über die vorab erschienene Single “Pussy” wurde ja bereits gesprochen. In testosteron-geschwängerter Luft lässt sich Till über deutsche Klischees aus, welche er auf die reine sexuelle Lust überträgt. Der Song steckt voller Textwitz und Skurrilitäten, die beim ersten Hören des scheinbar platten Textes gar nicht zu erschließen sind. Beispiel gefällig?

Schnaps im Kopf, du holde Braut
Steck Bratwurst in dein Sauerkraut

Zugegeben, textlich brachte Till seine Botschaften schon auf literarisch deutlich anspruchsvolleren Ebenen an den Hörer und auch musikalisch ist Pussy keine Neuerfindung, auch wenn hier weiterhin gilt, was ich zu “Ich tu dir weh” schrieb. Bestimmt einer der besseren Songs auf dem Album – traurig genug für mich, der Texte wie “Spieluhr” und “Mutter” vermisst. Das Video dazu ist übrigens ein (echter) Hardcore Porno und wird damit garantiert auf keinem Sender jemals gespielt oder darf auf Youtube und Freunden unzensiert verbreitet werden. Der Aufschrei in den Medien ist natürlich groß, was mich wiederum allerdings amüsiert, da Rammstein damit faktisch ein Video gedreht haben, das seinen Zweck ad absurdum führt, weil das natürlich nie gespielt werden kann. Der titelgebende Track ist “Liebe ist für alle da” schließt sich dem Thema zwar gleich an, ist aber weder textlich noch musikalisch in irgendeiner Weise erwähnenswert. Der Song ist schlicht überflüssig, weder schlecht noch gut, er ist einfach belanglos. Dabei ging es um eben diese Schöpfung, die vorab ins Internet geleakt war und die eingangs verlinkte Aufregung erzeugt hatte, das ein riesiges Spektakel nach sich zog. Im Vergleich zu der Version, die im Internet kreiste unterscheidet sich die Albumversion übrigens geringfügig, was darauf schließen lässt, dass der Song vor der Post-Production direkt aus dem Studio kam. Vielleicht sollte man also weniger Fan- und Newsseiten abmahnen und die Schuldigen in den eigenen Reihen suchen, Herr Fialik?

“Mehr” ist hingegen eine Kritik am geldgeilen Turbokapitalismus – nun, auch irgendwo eine Form der Liebe, wenn auch an materiellen Werten – und passt damit in die krisengeschüttelte Zeit. Dabei ist “Mehr” aber kein Protestsong im Stile der Punkbands unserer Welt, sondern trieft vor Ironie:

Es gibt kein Ziel, gibt kein genug
Gibt nie zuviel
All die andern haben so wenig
Gebt mir auch das noch
Sie brauchens eh nicht

Den Abschluss bildet ein Stück namens “Roter Sand”. Ein Titel voller Pathos, in dem Till eingangs fröhlich darauf los pfeift. Dramatisch besingt Till ein Pistolenduell zweier Edelmänner um die Liebe einer Frau. Wer sich an den Film “The Mexican” erinnert fühlt, werfe den ersten Stein. Oder schieße zuerst. Oder so.

Damit sind die versprochenen “traditionellen, wie immer exakt” 11 Titel auch abgehandelt. Dabei handelt es sich allerdings um eine Farce, denn auf der Special Edition hat man kurzerhand fünf weitere Titel auf eine zweite CD gepresst, wo Rammstein das Thema weiter verarbeiten. Vier der fünf Titel sind schließlich komplett eigenständige Kompositionen, keine Remixes oder Spezialversionen. Eigentlich hätte man diese auch gar nicht auf der Special Edition verstecken müssen, “Halt” ist durchaus ein Highlight auf dem Album und “Liese” kann lyrisch überzeugen.

Fazit

Nein, der große Wurf ist “Liebe ist für alle da” nicht. Wie immer begibt sich Till auf eine textliche Reise zwischen Genie und Wahnsinn, hat aber im Grunde nicht viel neues zu sagen. Nur die Verpackung hat sich geändert und die musikalische Untermalung ist künstlerisch anspruchsvoller als das monotone Gestampfe der Neunziger Jahre. Das mag vielleicht auch damit zu tun haben, dass Rammstein 2009 alles gesagt hat, zu keinem Zeitpunkt kam in mir der Eindruck auf, dass ein konkretes Thema in einer Form nicht bereits auf einem Album zu finden wäre und so kopiert Rammstein eben doch ein stückweit von sich selbst. Musikalisch ist das Album auch eine Rückbesinnung auf ältere Tage. Ja, man klingt nun wieder härter und metallischer und der Sound klingt voll, hochwertig und mit absolut sauberen Klängen. Normalerweise würde man von einer hochwertigen Produktion sprechen, aber im Fall von Rammstein war es eben der stumpfe, ungeschliffene, monotone Ton der sie groß machte. Ich zumindest vermisse diesen rohen Sound von dem nichts mehr übrig ist. Es gibt zwar weniger Experimente, weniger Versuche mit akustischen Instrumenten und plastischen orchestralen Arrangements, aber im Grunde ist die Weiterentwicklung von “Reise, Reise” auch auf “Liebe ist für alle da” auch nur fortgeführt, wobei man zuweilen ein paar harte Takte einwirft, die sich ein wenig hilflos deplatziert in die nach wie vor hochkomplexen Songstrukturen einfügen, so fügt sich auch Schneiders uninspirierte Trommelei auf dem Doppelbass auch selten wirklich passend in die Melodien ein. Das Gesamtergebnis ist eher durchwachsen, während Rammstein nach wie vor seine Reize hat – vielleicht ist es auch nur meine Sentimentalität – so bleibt im Fazit eben doch nur ein mittelmäßiges Album, das zu keinem Zeitpunkt unverzichtbare neue Qualitäten offenbart. Am Ende kommt es auf meiner “Rammstein Hitliste” Sehnsucht und Mutter nicht einmal nahe.

13 comments

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  1. Azubi says:

    Kritiken können so unterschiedlich ausfallen, wie Brüderlein und Schwesterlein…
    Letztenendes soll gesagt sein, dass alles im musikalischen Rahmen Geschmackssache ist.
    Da ich selber Musiker bin – noch dazu Rammstein Fan – versuch ich mich hier dennoch etwas objektiver zu halten:

    Zu obigen Erklärungen: was die Musik selbst angeht, haben sich die sechs weiterentwickelt, unter Berücksichtigung ihrer eigenen Wurzeln, spielen sie mir tolle Riffs, mit melodischen Akzenten und seltsam ungewohnten Texten vor.
    Mein Favorit ist das Album zwar auch nicht, aber ich finde sie gehen in eine Richtung, deren Weiterentwicklung ich gern weiterbeobachten möchte.

    Abschließend: Live sind viele Songs des Silberlings sicher der Burner!

  2. Fenrir says:

    Depp…

  3. Ireyon says:

    Das neue Album finde ich eigentlich klasse. Im grunde zwar nicht ganz das, was ich erwartet hatte (Die beiden Balladen sind meiner Meinung nach einfach nur langweilig, Ohne Dich war wenigstens noch gut). Und so plumpe Songs wie “Mehr” hätte man sich durchaus sparen können.

  4. Cartman says:

    Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, kann ich sagen, dass das Album eigentlich nicht so schlecht ist.

    Haifisch und Waidmanns Heil gefallen mir sehr gut, wobei Roter Sand mein absoluter Favorite ist. Toller Text, passender Sound… Klasse

    Und auf RammLied bin ich Live am meisten gespannt

    So Long

  5. kristy joe says:

    ich finde das album eigtl richtig gut…
    aber jeder hat andere ansichten.
    frühling in paris und waidmanns heil sind zb zusammen mit rammlied meine favoriten auf dem album.
    aber gut, jedem das seine :)
    hundert mal enttäuschter war ich von slipknot’s neuem album vor einem guten jahr, das war die reinste katastrophe.

  6. PJB says:

    hmm ich weis ja nich klingt alles so negativ finde das album abgesehen von dem namensgebendem lied liebe ist für alle da wirklich gut un vor allem was ja nun einmal zählt: Rammstein ist wieder da^^

  7. Arno says:

    Mal ehrlich, wir reden hier von einer Band, die auch schon Sehnsucht und Mutter zustande gebracht hat. Im Vergleich dazu fällt Liebe ist für alle da sehr weit ab. Natürlich, wenn man Rostenrot und Reise, Reise als Kriterium nimmt, ist das Album gut, von den Totalausfällen “Roter Sand” und “Liebe ist für alle da” abgesehen. Alles andere ist eben irgendwie – nun – belanglos. Nicht gut, nicht schlecht. Das sind eben Songs, die zu Mutter-Zeiten auf einer Single oder B-Seite veröffentlicht worden wären. Sicher hat das alles irgendwo seine Reize, aber wirklich gut ist was anderes. Da gibt es zum Beispiel keine Songs wie auf Slipknots neuem Album – was ein Kommentator exemplarisch erwähnte – wo ich dachte, “Hey das ist gut. Ich erkenne Slipknot noch immer, aber da gibt es eine geile Weiterentwicklung zu hören”.

    Wenn ihr ehrlich zu euch selbst seid und weg von dieser “Oh, Rammstein ist wieder da! Ich freue mich auf die Tour” Mentalität seid und überlegt, ob ihr das Album noch hören werdet, wenn die erste Freude abgenutzt und das Album erst einmal ein paar Runden im CD-Spieler gedreht hat, dann ist die Antwort: Wohl kaum. Die ersten drei Rammstein Alben höre ich mir noch heute, 10 Jahre später immer noch gerne an. Ob das für “Liebe ist für alle da” in 10 Jahren noch immer gilt, bezweifle ich stark. Dafür ist es zu seicht, zu glatt, zu wenig Aufhänger. Es ist um Himmels Willen nicht schlecht, ganz und gar nicht; auch Waidmans Heil kann ich mittlerweile einiges abgewinnen und – gelobt sei der Herr – ist der Erzählonkel von Rosenrot wieder weg und richtige Musik zurück. Ich denke am Ende kann man Rammstein neuestes Werk am ehesten mit Metallicas “Death Magnetic” vergleichen. Viel besser als zuvor, ein Schritt in die richtige Richtung, aber am Ende läuft im CD-Spieler bei mir weiterhin das Black Album und And Justice for all, bevor ich Death Magnetic höre.

  8. shayariel says:

    Ja, ich muss meinem Vorschreiber zustimmen – diese CD kommt einfach nicht auf die Höhe, wie ich es mir gewünscht hätte.

    Sie gefällt mir wohl, und mögen auch gewisse musikalische Entwicklungstendenzen zu erkennen sein, aber sie kommt mir vor, als ob ein paar müde Jungs, die schon verdammt gute Musik machen KÖNNEN, einfach – warum auch immer – ihren Arsch nicht hoch genug bekommen haben.

    Andererseits: Ich selbst bin (u.a.) Schreiberin und weiß recht genau, dass Kunstwerke aus sich selbst heraus entstehen und wie sich das Glück anfühlt, wenn eines entsteht, dass sich aufgrund seiner Größe wirklich ohne Scham hohe Kunst nennen kann (unabhängig davon, ob andere das auch so empfinden – aber wenn, dann einmal mehr!!!).
    Wie vielen ‘großen’ KünstlerInnen ist es denn gelungen, gleich mehrere Superwürfe zu landen???
    Eher doch den Wenigsten *find*.

    Als ich den Titel der neuen CD las und die entsprechenden Vorankündigungen dazu, hatte ich gedacht, wow! jetzt knallts richtig – und unterlag damit wohl der falschen Vorstellung, dass die Texte ähnlich heftig wie meine ‘Dornengesänge’ oder vielleicht in die Richtung wie z.B. Villon gehen würden (nunja, mit Französisch lag ich dann ja nicht ganz so falsch … ^^).
    Naja, Projektion (wie die Psychos sagen) bleibt eben Projektion – einige Texte gefallen mir schon, so ist es ja nicht, aber ich vermissen ein wenig den ordentlichen Biss.

    Vielleicht liegt es ja auch am zunehmenden Alter und den damit einhergehenden Gedanken und Einstellungen, die man zum Leben entwickelt (mehr Abstand, mehr Gelassenheit, manchmal Resignation …), dass die Aussagen sich nicht sehr von den schon mal gemachten unterscheiden???

    Bei allem ‘Genörgele’, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Jungs, wenn sie denn mal die Schallgrenze zum früher oder später bevorstehenden Finale ‘Ich muss so oder so sterben’ gemeinsam überschritten haben werden, ein Knalleralbum hinpacken werden, dass allen sehen und hören vergehen wird. :)

    so long.
    shayariel

  9. glidesurfer says:

    Die Debatte mag in Österreich Sinn machen, dem deutschen Publikum wird’s eh grundsätzlich nicht gestattet, solche extreme Musik zu hören.

  10. Arno says:

    Ich sagte an anderer Stelle schon, eine Indizierung ist noch kein Verbot. Der Verkauf des Albums ist Volljährigen nach wie vor gestattet, sobald die Indizierung rechtskräftig ist (das ist Ende des Monats, sofern kein Eilantrag gestellt wurde). Das Album darf allerdings nicht mehr beworben werden und wird wohl aus den Regalen der großen Elektrohändler verbannt werden. Das ist natürlich katastrophal fürs Geschäft, wenngleich Rammstein in diesem Leben bestimmt nicht mehr verarmen wird.

    Allerdings ist davon offenbar nach gegenwärtigem Kenntnisstand nur eine Abbildung vom Artwork und ein Titel (“Ich tu dir weh”) betroffen – möglicherweise auch “Pussy”, darüber herrscht noch Unklarheit. Einer Neuveröffentlichung ohne diese(n) Titel steht also nichts in Wege und ist Gerüchten zufolge bereits in Vorbereitung. Fraglich ist weiterhin, ob “Ich tu dir weh” nun tatsächlich wie angekündigt noch als Single veröffentlich wird – zumindest in Deutschland würde ich damit nicht mehr rechnen.

    Ärgerlich ist die Indizierung allerdings für Konzertbesucher der bevorstehenden Tour in Deutschland, denn bei diesen dürfen indizierte Titel nicht gespielt werden und die beiden standen sehr wahrscheinlich auf der Setlist. Damit werden alle Besucher bestraft, auch die Volljährigen, weil die betreffenden Songs mit zugehöriger Performance nun natürlich nicht mehr gezeigt werden darf, sofern Rammstein nicht nachträglich sicherstellen kann, das lediglich volljährige Besucher auf dem Konzert sind (was nachträglich sehr schwierig wird). Möglicherweise spielt Rammstein nun in Deutschland entweder ein kürzeres Set oder ersetzt die Songs durch andere – letzteres ist angesichts der kurzen Vorbereitungszeit aber unwahrscheinlich.

    Ich bin als glücklicher Besucher des Konzerts in Österreich natürlich gespannt, ob ich nun Dinge zu hören kriege, die die deutschen Nachbarn nicht hören werden.

  11. membenek says:

    Also ich finde das Album genial und es wird Super live performed. Und wenn der Österreicher sich freut etwas anderes zu hören. Das was ich gehört habe wirst du auch nicht hören. Und wenn ich die original Fassung hören will nehme ich das Album. Ich glaube aber nicht das du Live “Kölle Alaaf” von Till hören wirst :-)

  12. glidesurfer says:

    Man kommt sich ja regelrecht kriminell vor, wie ein Perverser, der sich an anstößigen Texten ergötzt. Die eBay-Mafia zieht einem den letzten Cent aus der Tasche beim Versuch, sich noch eine unzensierte Deluxe-Edition zu sichern, die sich anderswo ganz ungeniert kaufen lässt, wohl aber hier mit Zollbehörden in Schwierigkeiten kommen wird, während man das kriminelle Gedankengut ins Land zu bringen versucht.

    Die Höhepunkt ist genau dann erreicht, wenn ein unfreundlicher Mediablödmarkt-Mitarbeiter (Biker-Outfit) in unserer geliebten Bundeshauptstadt zu erklären versucht, dass “natürlich nur noch die neue Version vorhanden ist. Die andere ist ja indiziert und indiziert heißt verboten.” Soso, wieder (vermeintlich) etwas gelernt.

    Himmel, da wird man doch bekloppt. Aber sicher ist daran wieder nur die Raubmordkopiererszene schuld (?), zu der man ja geneigt ist bei der Schwierigkeit, entgeltlich (aber scheinbar dennoch illegal) an eine gepresste Disc zu kommen.

    Normalerweise würde ich ja sagen “Leckt mich, bekommt ihr mein Geld halt nicht”, aber ich mag den Anteil, der da bei Rammstein liegt, nicht erkennen. Da System zu sehen, ist schon sehr verschwörungstheoretisch.

  13. *Coop* says:

    Hier zeigt sich wieder, wer Musikgeschmack hat und wer nicht. Und alle, die gegen dieses Album sprechen, haben es nicht.

    Und wenn jemand die Texte falsch deutet oder damit nichts anfangen kann, dann hätte er in Deutsch vielleicht besser aufpassen sollen bzw. erstmal selbst ein Album produzieren mit Texten und allem Drum und Dran.

    Übersetzt doch bitte mal Texte von amerikanischen “Rockbands”, dann werdet Ihr ja sehen, was DORT für ein Stuss zusammenkommt. Aber die denken sich nur: Hauptsache es rockt! Bei Rammstein ist es nicht so. Die kümmern sich um beides, und das sei gelobt.

    Schönes Album.

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