An sich, hat man es durchaus schwer, wenn man in der alten Heimat einen Musikgeschmack, wie den meinen hat. Dort hört man nämlich vorzugsweise unzüchtiges Ufz-Ufz-Ufz. Um so löblicher sind da die wenigen Kapellen, die die Fahne des guten Geschmacks hoch halten, Graveworm ist eine davon und eben jene Südtiroler-Kapelle hat nun ein neues Album veröffentlicht.
Der Kollateraldefekt
“Collateral Defect” nennt es sich und erschien Ende Mai bei Massacre. Erwähnenswert ist das insbesondere deswegen, da sich durch den letzten Wechsel zu Nuclear Blast der Stil von Graveworm sehr verändert hat. Ob das erneut so wird, bleibt abzuwarten, das aktuelle Album hingegen orientiert sich doch merklich am Vorgänger: (N)Utopia. Zumindest weitgehend. Zwischendurch tauchen nämlich nun elektronische Elemente auf, womit das Album auch gleich beginnt.
Atmosphärisch monoton und pathetisch schwer wird der Kollateraldefekt mit dem instrumentalen – und wie gesagt elektronischen – “Reflections” eingeleitet und geht direkt in “Bloodwork” über, wo sich Schreier Stefan Fiori gleich die Wut aus der Kehle schreit. In der Tat wirkt Graveworm im Jahre des Herrn 2007 kraftvoller und aggressiver als zuletzt auf (N)Utopia, kompromisslos werden harte und manchmal monotone Riffs von einem kraftvollen Schlagzeugspiel begleitet. Aus dem Rahmen fällt hingegen “Touch of Hate” und das obwohl das Stück an sich so beginnt, wie man das vom melodiöseren Dark Metal eben kennt – wenn da nicht dieses pfeifen wäre. Powermetal will gar Rammsteins “Engel” reinkarniert herausgehört haben. So weit will ich dann nicht gehen, aber ungewöhnlich hört sich das allemal an, wenn auch nicht schlecht.
Der Titel des Albums spricht an sich schon für sich, zwar nicht Konzeptalbum zieht sich aber doch ein gewisser misanthropischer Grundton durch das gesamte Album, der die destruktive Art der menschlichen Zeitgenossen kritisiert. Zerbrechlicher und gleichsam harmonischer geht es in “Fragile Side” zur Sache. Soweit mir das spontan einfällt ist das der erste Gravewormsong in dem Klartextpassagen gesungen werden, offenbar wollte man sich keine Blöße zeigen ist das wohl gerade schwer in Mode gekommen. Das gelingt eigentlich auch ganz gut bei den Südtirolern, und so wurde daraus ein sehr hörbares Stück (auch wenn man da auf dem Mastertape wohl das Intro vergessen hat …)
Seit jeher darf natürlich auch auf keiner Platte ein Cover fehlen, diesmal musste Bonnie Tylers “I Need a Hero” herhalten. An “Losing My Religion” von der 2003er Platte “Engraved in Black” kommt das zwar bei weitem nicht heran, aber bitte. Zum Abschluss gibt es wieder ein sphärisches Instrumentalstück, das zwar als Ausklang den Soll erfüllt, ansonsten aber wenig spektakulär wirkt.
Insgesamt gibt es also nicht viel neues zu berichten, wer (N)Utopia mag, der wird auch den Nachfolger davon mögen. Wer hingegen weiterhin auf Anschluss an die genialen Alben Scourge of Malice und Engraved in Black wartet, der wird enttäuscht sein. Musikalisch gibt es wie erwähnt nicht viel neues zu berichten, auch 2007 gibts melodiösen Dark Metal, saubere Riffs und Keyboardbreaks. Neu und sehr dezent eingesetzt sind wie erwähnt elektronische Samples, doch auch diese bringen keine Abwechslung zu längst gewohnten Klängen. Irgendwie treibt das ganze Genre vor sich hin, ohne das eine Progressivität innerhalb der Dark Metaller bemerken liese. Sicher Collateral Defect ist ein solides und einwandfrei abgemischtes Album mit hochwertigen Riffs – aber neu ist das alles nicht. Das ist alles schon gehört. Das weiß man offenbar auch bei Graveworm, denn wirklich viel neues Material kam da nicht zu Stande, abzüglich Intro, Outro und Bonnie Tyler Cover bleibt nur eine knappe halbe Stunde Musik.











